In memoriam: Andreas Born

Wenn irgendwo in Leverkusen etwas los war, war er immer dabei. Das galt auch für Veranstaltungen der drei Leverkusener Geschichtsvereine, und damit auch für Geschichtsfeste, Vorträge, Ausstellungseröffnungen, Pressekonferenzen und weitere Events des OGV. Andreas Born war immer zur Stelle, von weitem erkennbar, stets ausgerüstet mit Kamera und Stativ. Sein Videomaterial reicht für unzählige lange Winterabende – wenn gerade jetzt in Zeiten des zweiten Corona-Lockdowns einmal Langeweile aufkommen sollte, ist anstelle von Netflix auch das Ansehen der Born’schen Videosammlung jede Empfehlung wert.

Wer sie nicht auf YouTube anklickt, findet die von Andreas Born produzierten Videos auf der Seite www.leverkusen.com. Betrieben vom 1996 gegründeten Verein Internet-Initiative Leverkusen e.V., handelt es sich bei der Seite um nichts weniger als Andreas Borns Lebenswerk. Dass die optische Aufmachung der Seite noch genauso ist wie vor 25 Jahren, mag Befremden auslösen, ist aber mit ein Grund für ihren längst erreichten Kultstatus. Was auf der Startseite noch wie ein konfuses Sammelsurium aussieht, entpuppt sich bei genauerer Benutzung als wahre Fundgrube für jeden Geschichtsinteressierten. Leverkusener Denkmäler, Leverkusener Persönlichkeiten, Leverkusener Plätze, Leverkusener Straßen: Andreas Born hat immer wieder Informationen aufgetrieben und die Seite Stück für Stück mit weiteren Inhalten gefüllt. Wer immer schon wissen wollte, woher die Stixchesstraße ihren eigenartigen Namen hat, oder welche Personen dem ersten Opladener Stadtrat nach dem Zweiten Weltkrieg angehörten, erhält auf www.leverkusen.com eine Antwort.

Andreas Born hat die stadtgeschichtliche Arbeit der drei Leverkusener Geschichtsvereine mit Wohlwollen begleitet und dokumentiert. Der Opladener Geschichtsverein ist ihm zu großem Dank verpflichtet, dass er in den vergangenen Jahren seine Veranstaltungen aufzeichnete und unter großem Aufwand zusammenschnitt und online zur Verfügung stellte. Das gilt insbesondere für den Ende Oktober 2020 durchgeführten internationalen Workshop im Rahmen des Projektes „Stadträume / Urban Spaces“. Dank Andreas Borns Videos konnten die Vorträge und inhaltlichen Impulse intensiv nachbereitet und zur weiteren Projektarbeit genutzt werden.

Noch ein weiteres Beispiel für den großen Wert der Arbeit Andreas Borns für den OGV sei hier genannt. Dank der Seite www.leverkusen.com war es möglich, für das von Ulrich Soénius herausgegebene Buch Leverkusener Wirtschaftsgeschichte, das 2018 in der Schriftenreihe des OGV erschienen ist, Pressemitteilungen als Quellen auszuwerten und für die Darstellung insbesondere der jüngeren Leverkusener Geschichte ab 2000 heranzuziehen. Die unter der Rubrik „News“ gesammelten Pressemitteilungen der Stadt Leverkusens sowie von Leverkusener Unternehmen, Vereinen, Parteien und sonstigen Institutionen gehen zurück bis ins Geburtsjahr der Seite: 1996. Eine Dokumentation, deren Wert mit jedem weiteren Buch zur Stadtgeschichte, das diesen Fundus als Quellenbasis nutzt, weiter steigen wird.

Andreas Born nahm an den von ihm aufgezeichneten Veranstaltungen nicht nur teil, sondern interessierte sich wirklich für die Inhalte und stellte gute, kritische Nachfragen. Als er die Pressekonferenz zum genannten Buch Leverkusener Wirtschaftsgeschichte „im Kasten“ hatte, nahm er das Buch zur Hand und bemerkte, dass bei einigen der zahlreichen Fußnoten, die auf www.leverkusen.com verweisen, die veraltete Form „http://“ statt „https://“ am Anfang der URL benutzt worden war. Andreas Born fiel so etwas auf, weil er eben ganz genau hinsah und sich mit den Inhalten auseinandersetzte – dazu gehören eben auch die Fußnoten.

Mit Bestürzung hat der OGV erfahren, dass Andreas Born am Freitag letzter Woche (15.1.2021) – viel zu früh – verstorben ist. Seine großartige Arbeit für die Dokumentation der Leverkusener Stadtgeschichte, die leider bis zuletzt etwas unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit stattfand, bleibt unübertroffen. Andreas Born wird uns als treuer Begleiter des OGV fehlen. Sein Werk sollte unbedingt für die stadtgeschichtliche Arbeit weiter genutzt werden, sodass es wenigstens posthum die Würdigung erfahren kann, die es verdient.