Veranstaltungsreihe

Standortentwicklung und Denkmalpflege in Leverkusen

in Kooperation mit der Volkshochschule Leverkusen

Das Veranstaltungsformat „Geschichte im Stadtgebiet“ umfasst ganz unterschiedliche Veranstaltungsangebote (Vorträge, Diskussionen, Konzerte, Besichtigungen, Filmvorführungen, ...), welche nicht in der Villa Römer – Haus der Stadtgeschichte, sondern an unterschiedlichen Orten im gesamten Leverkusener Stadtgebiet durchgeführt werden.

2020 besteht die Stadt Leverkusen seit 90 Jahren. Aus diesem Anlass wird die Veranstaltungsreihe als Teilprojekt von „>LEV< Leverkusen – Stadtgeschichte mit Zukunft“ der Thematik „Standortentwicklung und Denkmalpflege“ gewidmet.

Die Stadtentwicklung Leverkusens ist entscheidend geprägt durch die industrielle Entwicklung des Stadtgebietes im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Zahlreiche Gebäude, Anlagen und Denkmäler zeugen von dieser Zeit.  

Veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen führten dazu, dass diese Orte der wirtschaftlichen Entwicklung und Industriekultur einer neuen Nutzung zugeführt wurden und werden. Hierbei stellt sich häufig die Frage, inwieweit Fragen der Denkmalpflege und des Geschichtsbewusstseins mit den Notwendigkeiten von Standortentwicklung vereinbar sind und ob bestimmte Standorte unterschiedliche und wiederkehrende Impulse für Stadtgeschichte und -entwicklung geben.

Drei Veranstaltungen mit Besichtigungen der historischen Standorte und Vorträgen zur deren Geschichte werden ganz unterschiedliche Standortentwicklungen und Umgänge mit Denkmälern und Industriekultur in Leverkusen aufzeigen: Neucronenberg in Quettingen, Neue Bahnstadt in Opladen und CHEMPARK in Wiesdorf.

5. Februar 2020: Vortrag mit Besichtigung "Neue Bahnstadt Opladen"

Referenten: Walter Buschmann / Vera Rottes 

Am 1. November 1903 wurde in Opladen die Eisenbahn-Hauptwerkstätte der preußischen Staatseisenbahn eröffnet, zunächst als Lokwerkstatt mit ca. 200 Arbeitern und Angestellten. Die Belegschaft ist in der Folge auf über 1000 Personen angewachsen, bis zum Ende des Jahrzehnts sogar auf über 2000 Personen; diese Personalstärke blieb danach bis auf kurzfristige Schwankungen, die allerdings zeitweise zwischen 1300 und 4900 Beschäftigten verliefen, langfristig unverändert. Auch in den Zeiten der Reichsbahn und der Bundesbahn hatte das Eisenbahn-Ausbesserungswerk bis zu seiner Schließung im Jahr 2003 eine besondere Bedeutung für die Stadtentwicklung Opladens.
Zusammen mit einem Großteil der ebenfalls brachliegenden ehemaligen Gleisfläche am Bahnhof Opladen entsteht auf dem ehemaligen Gelände des Ausbesserungswerks unter dem Namen „neue bahn stadt:opladen“ seit 2010 ein neues Stadtquartier, auf dem auch der Campus der „Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften“ der Technischen Hochschule Köln untergebracht wird. Hierbei erfolgt teilweise eine Einbeziehung der historischen Bausubstanz und der gelisteten Denkmäler.

Mittwoch, 5. Februar 2020, 18:30 Uhr, Funkenturm, Bahnstadtchaussee 8, Leverkusen-Opladen (in der Reihe „Geschichte im Stadtgebiet“)

8. April 2020: Vortrag mit Besichtigung "Neucronenberg"

Referenten: Gregor Schier / Michael D. Gutbier

Im Jahr 1858 nahmen die Gebrüder Tillmanns, aus Cronenberg stammend, im Wiembachtal nahe Biesenbach die Produktion von Holz- und Gewindeschrauben auf. Schon bald errichteten sie eine große Holzschraubenfabrik mit später denkmalgeschützten Fabrikgebäuden, sowie Arbeiterwohnungen und ebenfalls denkmalgeschützte Fabrikantenvillen. Es bestand ein eigener Eisenbahnanschluss.
Um 1900 lebten weit über 2000 Menschen direkt oder indirekt von der Arbeit in dieser Fabrik. Produziert und in 27 Länder exportiert wurden Nägel, Bolzen, Nieten und Schrauben, wobei anfangs ein vom Wiembach angetriebenes Wasserrad, später eine Dampfmaschine, die nötige Energie lieferte. Die Weltwirtschaftskrise versetzte dem florierenden Betrieb 1931 den Todesstoß; später teilten sich ein Maschinenbauunternehmen und eine Ölraffinerie das Werksgelände in Neucronenberg. Ihre Hinterlassenschaften mussten zu Beginn der 1980er Jahre von der Stadt Leverkusen mit Millionenaufwand beseitigt werden. Von den einstigen Fabrikgebäuden ist heute nichts mehr erhalten, zuletzt wurden Anfang 2007 die Ruinen des Schornsteins und einer Halle abgerissen. Seitdem entwickelt sich das inzwischen altlastenfreie Gelände mehr und mehr zu einem Biotop. Lediglich ein Denkmal und zwei Fabrikantenvillen erinnern an diesen wichtigen Standort der Leverkusener Wirtschaftsgeschichte.

Mittwoch, 8. April 2020, 18:30 Uhr, Mensa der Sekundarschule Leverkusen, Neukronenberger Str. 81, Leverkusen-Quettingen  (in der Reihe „Geschichte im Stadtgebiet“)

3. Juni 2020: Besichtigung mit Vortrag "CHEMPARK Leverkusen"

Referenten: Jochen Simon / Walter Zimmermann

Die Farbenfabriken Bayer kaufen 1891 zunächst die Alizarinrot-Fabrik von Dr. Carl Leverkus & Söhne nördlich von Köln und später weiteres Gelände am Rhein hinzu. Nach Plänen Carl Duisbergs, der das Unternehmen von 1912 bis 1925 als Generaldirektor leitet, baut Bayer diesen Standort ab 1895 systematisch aus. 1912 wird Leverkusen Firmensitz.
Diese Entscheidung stellt die entscheidende Weichenstellung für die spätere Stadtentwicklung und -gründung für Leverkusen dar.
Die Pläne von Carl Duisberg und zahlreiche Gebäude aus dem beginnenden 20. Jahrhundert prägen bis heute das Gesicht des Werkes.
2008 wurde aus dem Bayerwerk der CHEMPARK, in dem nun viele unterschiedliche Unternehmen, u.a. auch Bayer, und entsprechende Ausgründungen tätig sind. Somit wurde aus dem ehemaligen Werksgelände ein Industriepark, welcher die vorhandene Infrastruktur und Gebäudesubstanz des ehemaligen Werkseigners nutzt.
Inwieweit hierbei Denkmäler und Standortgeschichte bei der Weiterentwicklung des Standortes Berücksichtigung finden, ist auch Gegenstand dieser Veranstaltung.

Mittwoch, 3. Juni 2020, 18:30 Uhr, Ehemalige Hauptverwaltung der Bayer AG (Q26), Kaiser-Wilhelm-Allee, Leverkusen  (in der Reihe „Geschichte im Stadtgebiet“)