Veranstaltungsreihe

„Der Deutsche Orden im Rheinland“

in Kooperation mit dem Förderverein Kommende Siersdorf e.V., der Volkshochschule Leverkusen und dem Katholischen Bildungswerk Leverkusen

Der Deutsche Orden, auch Deutschherrenorden oder Deutschritterorden genannt, ist eine römisch-katholische Ordensgemeinschaft. Mit dem Johanniter- und dem Malteserorden steht er in der (Rechts-)Nachfolge der Ritterorden aus der Zeit der Kreuzzüge. Der vollständige Name lautet Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem, lateinisch Ordo fratrum domus hospitalis Sanctae Mariae Teutonicorum Ierosolimitanorum. Aus der lateinischen Kurzbezeichnung Ordo Teutonicus leitet sich das Ordenskürzel OT ab. Die Ursprünge des Ordens liegen in einem Feldhospital bremischer und lübischer Kaufleute während des Dritten Kreuzzuges um 1190 im Heiligen Land bei der Belagerung der Stadt Akkon. Papst Innozenz III. bestätigte am 19. Februar 1199 die Umwandlung der Spitalgemeinschaft in einen Ritterorden und die Verleihung der Johanniter- und Templerregel für die Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem. Nach der Erhebung der Spitalgemeinschaft zum geistlichen Ritterorden engagierten sich die Mitglieder der ursprünglich karitativen Gemeinschaft während des 13. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich, im Heiligen Land, dem mediterranen Raum sowie in Siebenbürgen und beteiligten sich an der deutschen Ostkolonisation. Das führte zu einer Reihe von Niederlassungen mit mehr oder weniger langem Bestehen. Eine zentrale Rolle spielte ab dem Ende des 13. Jahrhunderts der im Baltikum begründete Deutschordensstaat. Er umfasste am Ende des 14. Jahrhunderts ein Gebiet von rund 200.000 Quadratkilometern. Durch die schwere militärische Niederlage bei Tannenberg im Sommer 1410 gegen die Polnisch-Litauische Union sowie einen langwierigen Konflikt mit den preußischen Ständen in der Mitte des 15. Jahrhunderts beschleunigte sich der um 1400 einsetzende Niedergang sowohl des Ordens als auch seines Staatswesens. Infolge der Säkularisation des verbliebenen Ordensstaates im Zuge der Reformation im Jahre 1525 und seiner Umwandlung in ein weltliches Herzogtum übte der Orden in Preußen und nach 1561 in Livland keinen nennenswerten Einfluss mehr aus. Er bestand jedoch im Heiligen Römischen Reich mit erheblichem Grundbesitz fort, vor allem in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. Auch im Rheinland hatte der Deutsche Orden insbesondere im 16. Bis 18. Jahrhundert eine herausragende Bedeutung - auch im direkten Umfeld der heutigen Städte Leverkusen und Jülich. Nach linksrheinischen Gebietsverlusten im späten 18. Jahrhundert infolge der Koalitionskriege und nach der Säkularisation in den Rheinbundstaaten zu Beginn des 19. Jahrhunderts blieben nur noch die Besitzungen im Kaiserreich Österreich. Mit dem Zerfall der Habsburger Donaumonarchie und dem österreichischen Adelsaufhebungsgesetz nach dem Ersten Weltkrieg ging neben dem Verlust erheblicher Besitztümer auch die ritterliche Komponente in der Ordensstruktur verloren. Die Veranstaltungsreihe greift verschiedene Fragestellungen in Zusammenhang mit dem Deutschen Orden und seiner regionalen Bedeutung in Form von Vorträgen und Exkursionen auf.
 

22. Mai 2019: Halbtagesexkursion "Zu Gast in … der ehemaligen Deutschordenskommende Siersdorf"

Führung: Guido von Büren

In Siersdorf befindet sich die Ruine des um 1578 im Renaissancestil errichteten Herrenhauses der ehemaligen Kommende des Deutschen Ordens. Das erste Kommendengebäude wurde im 13. Jahrhundert erbaut, jedoch im Geldrischen Erbfolgekrieg 1542 zerstört. Die Kommende Siersdorf war der Deutschordensballei Alden Biesen zugeordnet. Der Deutsche Orden besaß die Kommende bis zur französischen Eroberung des Rheinlands 1794. Pfarrkirche des Ortes und Kirche und Grablege der in der Kommende wohnenden Ordensritter war die benachbarte katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, zu der es eine direkte Verbindung gab. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude beschädigt und verfielen später. 2001 gründete sich ein Förderverein, um das ruinöse Herrenhaus der Kommende zu sichern. Das Kommendengebäude und die nahegelegene Kirche in Siersdorf sind Ziele der Besichtigung.

Mittwoch, 22. Mai 2019, 15 Uhr, Kommende Siersdorf, Kirchstraße 9, 52457 Aldenhoven
 

25. Mai 2019: Halbtagesexkursion "Zu Gast in … dem ehemaligen Deutschordensbesitz Morsbroich"

Anstelle des heutigen Bauwerkes erhob sich ursprünglich eine spätmittelalterliche Burganlage. Die erste schriftliche Erwähnung erfolgt erstmals 1328 mit der Nennung eines Johannes gen. Moir von dem Broiche. Über die Jahrhunderte wechselte die Burg unzählige Male ihre Eigentümer. 1619 kam sie in den Besitz des Deutschen Ordens. 1775 wurde die „gantz ruinöse" Burganlage abgerissen und als "Maison de plaisance" im Rokokostil neu errichtet. Um diese Zeit wurde auch ein englischer Garten angelegt. 1806 verlor der Deutsche Orden das Barockschloss an Napoleon I, der die geistliche Institution säkularisierte. Nach der Übernahme des Rheinlands durch Preußen fiel Schloss Morsbroich 1817 einem Kölner Bankier zu. 1857 erwarb der Kommerzienrat Friedrich Diergardt den gesamten Besitz. 1948 mietete die Stadt das stark beschädigte Bauwerk. Zuerst einmal war an die Errichtung eines Alters- oder Kinderheimes im Schloss gedacht. Schließlich entschloß man sich aber zu einem Museum. 1974 beschloß der Rat den Kauf des Besitzes. Nach der Grundsanierung wurde das Museum 1985 erneut eröffnet. Schloss, Park und die nahegelegene Gezelin-Kapelle sind Ziele der Besichtigung.

Samstag, 25. Mai 2019, 15 Uhr, Schloss Morsbroich, Gustav-Heinemann-Straße 80, 51377 Leverkusen
 

5. Juni 2019: Vortrag "Der Deutschordens-Besitz Morsbroich"

Referent: Dr. Hans-Jürgen Dorn

Der Deutsche Orden hatte sich nach der Reformation zu einem sozialen Institut zur Sicherung des deutschen niederen Adels entwickelt.Nachdem die französischen Revolutionstruppen1795 ins Reich eingedrungen waren, wurden die Besitzungen enteignet und gingen in Staatsbesitz über, darunter fiel auch das Schloss Morsbroich. Hier liegen uns die Briefe des Verwalters in vollständiger Reihenfolge vor. Sie erzählen von dem Einmarsch der Revolutionstruppen, den Gewalttätigkeiten der Soldaten, den Zerstörungen und erlauben damit einen faszinierenden Einblick in die Lebensverhältnisse des 18. Jahrhunderts.

Mittwoch, 05. Juni 2019, 18:30 Uhr, Doktorsburg, Rathenaustraße 63, 51373 Leverkusen (in der Reihe „Geschichte im Stadtgebiet")