Veranstaltungsreihe

"Marksteine deutscher Geschichte aus rheinischer Perspektive"

in Kooperation mit der Volkshochschule Leverkusen

Mit der Vortragsreihe „Marksteine deutscher Geschichte aus rheinischer Perspektive“ greifen JGV und OGV historische Ereignisse von nationaler Bedeutung auf und Fragen nach den jeweiligen Auswirkungen auf das Rheinland. Die Termine im ersten Halbjahr werden voraussichtlich nur online angeboten werden. Der entsprechende Link wird rechtzeitig bekannt gegeben werden. Die Vorträge der zweiten Jahreshälfte finden in Jülich (Datum kursiv gesetzt) im Rahmen des Mittwochclubs jeweils um 19.30 Uhr in der Schlosskapelle der Zitadelle Jülich statt, die Vorträge in Leverkusen in der Reihe „Geschichte im Stadtgebiet“ um 18.30 Uhr im Forum. Bitte beachten Sie die aktuellen Ankündigungen in der Presse und auf der jeweiligen Homepage der beiden Vereine.

2. Juni 2021: Vortrag "Die Schaffung der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg. Das Jahr 1521 und seine Folgen für die niederrheinisch-westfälische Geschichte"

Wappen der Vereinigten Länder – Darstellung um 1540: Zu sehen sind die beiden Löwen der Territorien Jülich und Berg, die Lilienhaspel des Herzogtums Kleve, das Schachbrettmuster der Grafschaft Mark und die Sparren der Grafschaft Ravensberg.Kurzzeitig gehörten auch das Herzogtum Geldern und die Grafschaft Zutphen, ebenfalls mit Löwen im Wappen, zum Verbund.

Referent: Ralf-Peter Fuchs

2021 ist das Jubiläumsjahr der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen. Zugleich ist es das Jahr des 500-jährigen Jubiläums der Vereinigung der rheinischen Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg wie auch der westfälischen Grafschaften Mark und Ravensberg. Dieser niederrheinisch-westfälische Territorienverbund huldigte seit 1521 einem gemeinsamen Landesherrn. Ab 1609/1614 vollzog sich wieder eine Trennung in mehreren Stufen, die jedoch keineswegs zum vollständigen Abbruch der Verbindungen führte. Im Vortrag soll der Überlegung des Historikers Heinz Finger, dass das Jahr 1521 „durchaus dauerhafte Folgen gehabt" hat, nachgegangen werden. Wir werden ausführlich einer sich gegenseitig durchdringenden Herrschaft von Brandenburg-Preußen und Pfalz-Neuburg in diesen Ländern vor 1806 nachgehen und einen kurzen Blick auf die weiteren Entwicklungen im 19. Jahrhundert werfen.

Mittwoch, 2. Juni 2021, 18:30 Uhr, Agamsaal, Forum Leverkusen, Am Büchelter Hof 9, 51373 Leverkusen-Wiesdorf (in der Reihe „Geschichte am Kamin") 

Übertragung via Zoom (Meeting-ID: 957 8837 6564, Kenncode: 141857) oder auf Facebook

Aufgrund der gültigen Covid19-Hygienerichtlinien ist die verbindliche Anmeldung hier oder telefonisch unter 02171-47843 zwingend notwendig!

Über den Referenten:

Prof. Dr. Ralf-Peter Fuchs

Professor für Landesgeschichte der Rhein-Maas-Region an der Universität Duisburg Essen, Direktor des Instituts für niederrheinische Kulturgeschichte und 1. Vorsitzender der Niederrhein-Akademie/Academie Nederrijn (NAAN).

7. Juli 2021: Vortrag "1871: Die Gründung des Deutschen Kaiserreiches"

Referent: Christoph Nonn

1871 wurde das Deutsche Reich gegründet - so kann man oft lesen. Tatsächlich ging der Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871, die Anton von Werner in mindestens drei Bildversionen verewigt hat, aber eine lange Zeit der Nationsbildung voran. Diese Nationsbildung war zudem mit dem Jahr 1871 noch nicht abgeschlossen. Die Bildung des deutschen Nationalstaats war ein langwieriger Prozess, der insgesamt ein gutes Jahrhundert dauerte. In diesem Prozess war der sogenannte "Reichsgründer" Bismarck nur ein Akteur unter vielen. Auch Rheinländer gehörten zu den Akteuren. Am Rhein war die Begeisterung für die Nation allerdings zunächst, wie in vielen Regionen des späteren Deutschen Reiches, nicht allzu ausgeprägt. Der Vortrag zeichnet die Entwicklung der Nationalisierung und ihre Stationen nach.

Mittwoch, 7. Juni 2021, 18:30 Uhr, Agamsaal, Forum Leverkusen, Am Büchelter Hof 9, 51373 Leverkusen-Wiesdorf (in der Reihe „Geschichte am Kamin") 

Aufgrund der gültigen Covid19-Hygienerichtlinien ist die verbindliche Anmeldung hier oder telefonisch unter 02171-47843 zwingend notwendig!

Über den Referenten:

Prof. Dr. Christoph Nonn

geboren 1964 in Leverkusen, seit 2002 Professor für Neueste Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

6. Oktober 2021: Vortrag "921: Der Bonner Vertrag"

Referent: Wolfgang Hasberg

Als Bonner Vertrag firmiert gelegentlich der Deutschlandvertrag von 1952. Dagegen ist der Bonner Vertrag von 921 in der Öffentlichkeit kaum mehr bekannt. Auch in der Handbuchliteratur ist nur noch gelegentlich davon die Rede. Dabei spielt die Absprach zwischen dem westfränkischen König, Karl dem Einfältigen, und dem ostfränkischen König, Heinrich I,. eine durchaus bedeutende Rolle. In Gesamtdarstellungen des 19. Jahrhunderts wird damit gelegentlich die Entstehung des deutschen Reiches unter Heinrich I., dem ersten König aus dem Hause der sächsischen Herzöge, begründet. Kann der Bonner Vertrag, der in der Absicht eines Ausgleichs entstand, tatsächlich als ein Markstein auf dem Weg der Nationenbildung im Mittelalter gelten? Diese Problematik steht im Mittelpunkt des Vortrags, der zugleich den Rhein als „natürliche“ Grenze im Mittelalter in den Blick nimmt. Schließlich wurde die Absprach vom 07.11.921 auf einem Schiff mitten im Rhein getroffen!

Mittwoch, 6. Oktober 2021, 18:30 Uhr, Agamsaal, Forum Leverkusen, Am Büchelter Hof 9, 51373 Leverkusen-Wiesdorf (in der Reihe „Geschichte am Kamin") 

Aufgrund der gültigen Covid19-Hygienerichtlinien ist die verbindliche Anmeldung hier oder telefonisch unter 02171-47843 zwingend notwendig!

Über den Referenten:

Prof. Dr. Wolfgang Hasberg

geb. 1961 Köln, 1981-87 Studium in Köln und Bonn, 1987 u. 1990, Erstes u. Zweites Staatsexamen für Gymnasium, Lehrtätigkeit in Köln, 1993 Promotion,1994-2000 Universität Augsburg, 2000 Habilitation, 2000-02 Professur Fachdidaktik Geschichte an der Universität Leipzig, seit 2002  Univ.-Prof. für Mittlere und Neuere Geschichte (Rhein. Landesgeschichte) und Didaktik der Geschichte an der Universität  zu Köln

1. Dezember 2021: Vortrag "1946: Die Deutschen und Nordrhein-Westfalen. Neue Erkenntnisse und Fragestellungen zur Vor- und Gründungsgeschichte des Landes Nordrhein-Westfalen"

Referent: Guido Hitze

In Bezug auf die Gründungsphase Nordrhein-Westfalens schien deren Geschichte lange Zeit so gut wie auserzählt. Nordrhein-Westfalen war, so der wissenschaftliche Konsens, eines der 1946 oder später entstandenen typischen „Bindestrich-Länder“, ein Produkt der unmittelbaren Nachkriegszeit, ohne eigene Vorgeschichte und Traditionen, ein von der britischen Besatzungsmacht aus vor allem außenpolitischen und ökonomischen Motiven geradezu willkürlich zusammengesetztes Konglomerat aus den nördlichen Resten der alten Rheinprovinz und der ehemaligen preußischen Provinz Westfalen, 1947 ergänzt durch das vormals selbständige Land Lippe-Detmold. Der Gründungsakt vom August 1946, die „Operation Marriage“, wurde zum Sinnbild einer administrativen Maßnahme der Briten, die Rheinländern und Westfalen verkündet wurde, ohne sie zu fragen, und die beide schließlich gegen ihren Willen in einem neuen, gemeinsamen Land zwangsvereinte.
Jüngste Forschungsergebnisse lassen an diesem Mythos begründete Zweifel aufkommen. Berücksichtigt man die vielfältigen Pläne und Vorstellungen aus der Zeit der intensiven Reichsreformdebatte der Weimarer Republik und die Initiativen der Ruhrindustrie zur Schaffung einer Wirtschaftsprovinz „Rheinland-Westfalen“ ohne den südlichen Teil der damaligen Rheinprovinz unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, erscheint es zumindest nicht vermessen, die vorgeblich so „künstlich“ und von außen aufgezwungene Existenz Nordrhein-Westfalens als eine verspätete Realisierung im Wesentlichen älterer deutscher Ideen und Konzepte neu zu deuten. 

Mittwoch, 1. Dezember 2021, 18:30 Uhr, Agamsaal, Forum Leverkusen, Am Büchelter Hof 9, 51373 Leverkusen-Wiesdorf (in der Reihe „Geschichte am Kamin") 

Aufgrund der gültigen Covid19-Hygienerichtlinien ist die verbindliche Anmeldung hier oder telefonisch unter 02171-47843 zwingend notwendig!

Über den Referenten:

Dr. Guido Hitze

geboren 1967, Historiker und Politologe, bis 2020 Leiter der Planungsgruppe des Landtages Nordrhein-Westfalen für das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen, seit 2020 Leiter der Landeszentrale für politische Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen.