Leverkusener Erklärung gibt UrbanSpaces gemeinsamen Rahmen bis 2030
Wie kann die Beschäftigung mit lokaler Geschichte dazu beitragen, Demokratie zu stärken und Europas Zukunft gemeinsam zu gestalten? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 30 jüngere und ältere Teilnehmende des europäischen Workshops „Europa vor Ort – Stadtentwicklung, Demokratie und Erinnerungskultur", der vom 10. bis 14. September 2026 in Leverkusen und Jülich stattfand.
Als zentrales Ergebnis des Workshops wurde die Leverkusener Erklärung 2026 gemeinsam erarbeitet. Nach intensiven Beratungen stimmten die Workshop-Teilnehmenden über den Text ab und beschlossen die Erklärung als gemeinsame Grundlage für die weitere Zusammenarbeit. Beteiligt waren Vertreterinnen und Vertreter aus Battipaglia, Bracknell, Delphi, Gabrovo, Jülich, Leverkusen, Oulu, Racibórz, Schwedt/Oder und Villeneuve d'Ascq. Gefördert wurde der Workshop durch einen Europa-Scheck des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die Erklärung beruht auf der Überzeugung, dass Europa in seinen Städten und Gemeinden entsteht: dort, wo Menschen einander begegnen, sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen, Verantwortung übernehmen und ihre gemeinsame Zukunft demokratisch gestalten.
Die historischen Erfahrungen der beteiligten Städte sind unterschiedlich, aber eng miteinander verbunden. Sie zeigen den Wert und zugleich die Verletzlichkeit der Demokratie. Die Auseinandersetzung mit Ausgrenzung, Verfolgung, Propaganda, autoritären Herrschaftsformen und Krieg soll deshalb nicht allein der Rückschau dienen. Historisches Wissen soll Menschen dazu befähigen, aktuelle Gefahren für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu erkennen, kritisch zu urteilen und verantwortungsvoll zu handeln.
Drei Säulen bilden das Fundament der Leverkusener Erklärung: die dauerhafte europäische Vernetzung, die verbindliche Beteiligung junger Menschen und die Verbindung von lokaler Geschichte, europäischem Vergleich und demokratischer Bildungsarbeit.
Eine besondere Bedeutung hat die generationenübergreifende Zusammenarbeit. Junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren nicht nur im Youth Media Lab aktiv, sondern wirkten auch unmittelbar an der Erarbeitung und Abstimmung der Erklärung mit. Ihre Perspektiven, Themen und Erwartungen sind damit Teil des gemeinsamen Arbeitsprogramms.
Für die künftige Projektarbeit haben sich die Teilnehmenden darauf verständigt, junge Menschen von Beginn an in Planungen, Beratungen und Entscheidungen einzubeziehen und ihnen eigene Verantwortung zu übertragen. Dabei soll keine Trennung zwischen einer Jugendgruppe und den älteren Beteiligten entstehen. Jüngere und ältere Menschen sollen gemeinsam arbeiten, ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen und voneinander lernen.
Zu den thematischen Schwerpunkten der Erklärung gehören Erinnerungskultur, Demokratie, Stadtentwicklung und die europäische Idee. Das Netzwerk will untersuchen, wie Planung, Architektur, Industrie, Infrastruktur, Migration, gesellschaftlicher Wandel und bürgerschaftliches Engagement die europäischen Städte geprägt haben. Zugleich soll danach gefragt werden, wie Bürgerinnen und Bürger ihre Städte heute nachhaltig, demokratisch und inklusiv mitgestalten können.
Die Erklärung bekennt sich zu Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten, Pluralismus, Toleranz, Solidarität und Frieden. Sie wendet sich gegen Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus, Hass, Geschichtsverfälschung und antidemokratische Erzählungen. Historische Orte, Archive, Museen und öffentliche Räume werden dabei als lebendige Lernorte der Demokratie verstanden.
Mit der Erklärung wurde zugleich ein Arbeitsprogramm bis 2030 vereinbart. Vorgesehen sind unter anderem regelmäßige Treffen der Projektverantwortlichen, gemeinsame Bildungs- und Medienformate, die Weiterentwicklung der europäischen Ausstellung zur Stadtentwicklung, mehrsprachige digitale Angebote sowie eine Sammlung von Methoden und guten Praxisbeispielen.
Auch die Stärkung von Medienkompetenz und demokratischer Resilienz gehört zu den gemeinsamen Aufgaben. Historische Bildungsarbeit soll mit aktuellen Herausforderungen wie Polarisierung, Desinformation und dem politischen Missbrauch von Geschichte verbunden werden.
Mit dem Beschluss durch die Workshop-Teilnehmenden ist ein erster wichtiger Schritt vollzogen. Im nächsten Schritt sollen die Organisationen, die in den beteiligten Städten und im Netzwerk mitwirken, die Leverkusener Erklärung durch ihre autorisierten Vertreterinnen und Vertreter unterzeichnen. Damit bekräftigen sie ihre Bereitschaft, die vereinbarten Grundsätze und Ziele im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten zu unterstützen.
Die Leverkusener Erklärung ist ausdrücklich offen für weitere Städte, Vereine, Museen, Archive, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Jugendorganisationen und zivilgesellschaftliche Initiativen. Die beteiligten Projektstädte sind aufgerufen, vor Ort weitere Organisationen für eine Unterzeichnung zu gewinnen und eigene lokale Netzwerke aufzubauen. Auch Nikopol und Ljubljana sollen eingeladen werden, sich der Erklärung anzuschließen und an der weiteren Entwicklung des Netzwerks mitzuwirken.
Die Erklärung soll künftig nicht nur als inhaltliche Selbstverpflichtung, sondern auch als gemeinsame Grundlage für die Außendarstellung und strategische Weiterentwicklung des Netzwerks dienen. Sie macht gegenüber Kommunen, Förderinstitutionen, politischen Entscheidungsträgern und möglichen neuen Partnern deutlich, welche Ziele das Netzwerk verfolgt und nach welchen Grundsätzen es arbeitet.
Auf dieser Grundlage sollen neue europäische Projekte entwickelt, geeignete Förderprogramme erschlossen und gemeinsame Förderanträge vorbereitet werden. Zugleich soll die Erklärung dabei helfen, weitere Partner zu gewinnen und die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Geschichtsvereinen, Museen, Archiven, Bildungs- und Kultureinrichtungen sowie jungen Menschen dauerhaft auszubauen.
Mit der Leverkusener Erklärung erhält das Netzwerk „StadtRäume / UrbanSpaces" damit einen gemeinsamen inhaltlichen und organisatorischen Rahmen für die kommenden Jahre. Die Partner wollen ihre unterschiedlichen lokalen Erfahrungen zusammenführen und daraus konkrete gemeinsame europäische Projekte entwickeln.
Stadtgeschichte lokal verankert – europäisch vernetzt.
