Tagesfahrt nach Solingen: Kloster, Klingen, Freiheit und bergische Geschichte
Am Samstag, 10. Oktober, führte die gemeinsame Tagesfahrt des Opladener Geschichtsvereins und des Jülicher Geschichtsvereins 19 Teilnehmende nach Solingen. Auf dem Programm standen der historische Ortskern von Gräfrath, das Deutsche Klingenmuseum, die beiden Ortsteile Unter- und Oberburg sowie Schloss Burg.
In Gräfrath begann der Tag mit einem Rundgang durch den gut erhaltenen historischen Ortskern. Der Ort wurde bereits 1135 urkundlich erwähnt. Seine Entwicklung war eng mit dem Kloster verbunden, das 1187 gegründet und später zu einem Stift der Augustiner-Chorfrauen wurde. Zu Füßen des Klosterhügels entstanden die Siedlung und der Marktplatz; die Klosterkirche prägt das Ortsbild bis heute. Nach einer Wallfahrtstradition um die Reliquie der heiligen Katharina gewann Gräfrath zusätzlich an Bedeutung. 1402 erhielt der Ort als „Freiheit" besondere, stadtähnliche Rechte, darunter Selbstverwaltung und das Recht, den Ort zu befestigen. Die noch heute gut erkennbare historische Bebauung macht Gräfrath zu einem der anschaulichsten Zeugnisse der vorindustriellen bergischen Kleinstadt.
Im ehemaligen Kloster befindet sich heute das Deutsche Klingenmuseum. Dort besichtigte die Gruppe die neue Dauerausstellung „ME FECIT SOLINGEN – Klingen : Stadt : Geschichte". Sie zeigt, wie eng die Entwicklung Solingens mit der Herstellung von Klingen verbunden ist, und führt die Besucherinnen und Besucher durch verschiedene Epochen der Klingen- und Stadtgeschichte.
Danach ging es nach Unterburg. Der Ort liegt im engen Tal an der Mündung des Eschbachs in die Wupper. Bei einem kleinen Rundgang wurde deutlich, wie anders sich Burg als Gräfrath entwickelt hat: Gräfraths Mittelpunkt lag beim Kloster und dem daraus erwachsenen Marktort; Burg wurde von der Grafenburg und ihrer politischen Bedeutung geprägt. Schloss Burg war im Mittelalter Sitz der Grafen von Berg und ein Zentrum ihrer Herrschaft. Unterhalb der Burg entstanden zwei Siedlungskerne: Oberburg nahe der Residenz und Unterburg am Wupperübergang und an der Mündung des Eschbachs. Dort spielten die Lage am Wasser und die mit Mühlen, Schleifkotten und Hammerwerken verbundene Arbeit eine wichtige Rolle.
Auch Burg wurde als „Freiheit" bezeichnet; der Ort ist 1363 erstmals unter diesem Namen belegt. Für Gräfrath ist dagegen ein Freiheitsprivileg von 1402 überliefert, das konkrete Rechte wie Selbstverwaltung und Befestigung gewährte. Die Bezeichnung verweist in beiden Fällen auf eine besondere rechtliche Stellung, doch die historischen Entwicklungen der Orte verliefen unterschiedlich. Nach dem Rundgang durch Unterburg überquerte die Gruppe mit der Seilbahn die Wupper und fuhr hinauf nach Oberburg. Die seit 1952 betriebene Bahn war die erste Personenseilbahn Nordrhein-Westfalens. Nach einem kurzen Spaziergang durch Oberburg kehrten die Teilnehmenden im Restaurant „Zur schönen Aussicht" zu einer bergischen Kaffeetafel ein.
In Schloss Burg begrüßte Tobias Millard, museumspädagogischer Leiter des Hauses, die Gruppe. Eine besondere Begegnung wartete gleich zu Beginn: Millard präsentierte die Sitzmadonna aus Schlebuschrath, ein mittelalterliches Kunstwerk aus Leverkusen, das früher in der Dauerausstellung zu sehen war und in der neuen Präsentation keinen Platz mehr gefunden hat.
Die vermutlich um 1300 entstandene Figur ist aus Eichenholz geschnitzt und 55,5 Zentimeter hoch. Maria sitzt auf einer schlichten, lehnenlosen Bank und ist frontal dem Betrachtenden zugewandt. Ihr gegürteter, fußlanger Mantel fällt in weich gerundeten Seitenfalten; zwischen den Knien bildet sich eine markante spitze Falte. Mit der linken Hand umfasst sie das Kind, das auf ihrem linken Knie sitzt und den Kopf leicht zur Seite neigt. Auch die Rückseite der Figur ist bearbeitet, bleibt jedoch bis auf das angedeutete Kopftuch glatt. Die Madonna stammt aus der 1828 abgebrochenen Pfarrkirche zu Schlebuschrath. Dass Millard sie der Gruppe eigens vorstellte, machte das Objekt zu einem besonderen Höhepunkt des Besuchs.
Im Anschluss führte er die Teilnehmenden durch die neu gestalteten und renovierten Räume sowie die neue Dauerausstellung. Die Führung gab Gelegenheit, Schloss Burg als Herrschaftssitz, historischen Erinnerungsort und heutiges Museum neu zu entdecken. Mit vielen Eindrücken aus der Geschichte Solingens und des Bergischen Landes trat die Gruppe anschließend die Rückfahrt an.
