Zukunft braucht Erinnerung – Opladen zwischen Wandel und Identität
Rund 60 Bürgerinnen und Bürger diskutierten gemeinsam mit Experten aus Stadtplanung, Denkmalpflege, Wohnungswirtschaft und Stadtgesellschaft über die Zukunft Opladens. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Debatte um die Gründerzeitvilla an der Schillerstraße, sondern die grundsätzliche Frage, wie sich Stadtentwicklung und historische Identität miteinander verbinden lassen.
Wie viel Geschichte braucht die Stadt? Diese Frage stand im Mittelpunkt des BürgerDialogs Opladen, zu dem der Opladener Geschichtsverein gemeinsam mit der Volkshochschule Leverkusen am 3. Juni 2026 in die Mehrzweckhalle Hedrichsfeld eingeladen hatte. Rund 60 Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter aus Politik, Verwaltung, Vereinen und Institutionen folgten der Einladung und beteiligten sich an einer engagierten, zugleich aber ausgesprochen sachlichen Diskussion.
Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Jürgen Mittag führte der 1. Vorsitzende des Opladener Geschichtsvereins, Michael D. Gutbier M.A., mit einem historischen Impulsvortrag in das Thema ein. Unter dem Titel „Opladen baut Zukunft – wie viel Geschichte braucht die Stadt?“ zeichnete er die Entwicklung Opladens von einem mittelalterlichen Verkehrs- und Gerichtsort über die Industrie-, Eisenbahn- und Kreisstadt bis hin zur heutigen Neuen Bahnstadt nach.
Dabei wurde deutlich: Opladen war nie eine Stadt des Stillstands. Jede Generation hat ihre Stadt verändert, erweitert und neu gestaltet. Wandel gehört seit Jahrhunderten zur Geschichte Opladens. Gleichzeitig prägen historische Gebäude, Straßenräume, Siedlungen und öffentliche Plätze bis heute das Gesicht des Stadtteils und machen seine Entwicklung nachvollziehbar.
Ein zentraler Gedanke des Vortrags lautete daher: Stadtentwicklung und Denkmalschutz sind keine Gegensätze. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, Neues zu schaffen, ohne die Zeugnisse zu verlieren, die Identität stiften und die Geschichte einer Stadt lesbar halten. Geschichte ist nicht nur Erinnerung an Vergangenes – sie kann Orientierung für zukünftige Entscheidungen geben.
Auslöser der Veranstaltung waren die aktuellen Diskussionen um die Zukunft der Gründerzeitvilla an der Schillerstraße. Die Debatte um das Gebäude steht exemplarisch für die Frage, wie mit historischer Bausubstanz in Zeiten eines angespannten Wohnungsmarktes umzugehen ist.
Auf dem Podium diskutierten:
- Alexander Dederichs, Vorstand der Gemeinnützigen Bauvereinigung Opladen e.G. (GBO)
- Martin Krampf, Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks II
- Stefan Karl, Leiter des Fachbereichs Stadtplanung der Stadt Leverkusen
- Regine Hall-Papachristopoulos, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Opladen e.V.
- Dr. Carsten Liesenburg, Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland
Die Moderation übernahm Bert-Christoph Gerhards.
Die Diskussion machte deutlich, dass unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen. Einerseits besteht ein erheblicher Bedarf an zusätzlichem Wohnraum. Andererseits wird der Erhalt historischer Bausubstanz von vielen Bürgerinnen und Bürgern als wichtiger Beitrag zur Identität und Lebensqualität Opladens verstanden. Dabei wurde mehrfach betont, dass die Diskussion nicht auf ein einzelnes Gebäude reduziert werden dürfe, sondern grundsätzliche Fragen der Stadtentwicklung berühre.
Auch die Perspektive des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Opladen wurde in die Diskussion eingebracht. Dessen Vorsitzender Sebastian Klunder konnte aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen, hatte jedoch eine schriftliche Stellungnahme übersandt. Darin wurde hervorgehoben, dass zusätzlicher Wohnraum notwendig sei, gleichzeitig aber historische Gebäude wichtige Bestandteile der Stadtgeschichte und des Stadtbildes darstellen. Vor Abrissmaßnahmen sollten deshalb stets Möglichkeiten des Erhalts, der Sanierung oder der Umnutzung geprüft werden. Darüber hinaus wurde auf Nachhaltigkeitsaspekte und die in Bestandsgebäuden gebundene „graue Energie“ hingewiesen.
Bemerkenswert war die große Beteiligung des Publikums. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen einzubringen und unterschiedliche Sichtweisen zu diskutieren. Trotz der teilweise gegensätzlichen Positionen blieb die Atmosphäre respektvoll und konstruktiv. Gerade darin zeigte sich die Stärke des Formats.
Der BürgerDialog machte deutlich, dass die Zukunft Opladens nicht allein durch Bauprojekte, Bebauungspläne oder Denkmallisten bestimmt wird. Sie entsteht im Spannungsfeld von Wachstum, Lebensqualität, Erinnerungskultur und bürgerschaftlichem Engagement. Die Frage, was erhalten und was verändert werden soll, ist letztlich immer auch eine Frage nach dem Selbstverständnis einer Stadtgesellschaft.
Für den Opladener Geschichtsverein war die Veranstaltung zugleich ein Beispiel dafür, welchen Beitrag historische Perspektiven zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten leisten können. Der Verein versteht sich dabei nicht als Interessenvertreter für einzelne Projekte, sondern als Vermittler historischer Zusammenhänge und als Plattform für den Dialog über die Zukunft der Stadt.
Die positive Resonanz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigt, dass der Bedarf an solchen Gesprächsformaten groß ist. Der Opladener Geschichtsverein und die Volkshochschule Leverkusen werden den eingeschlagenen Weg deshalb fortsetzen und auch künftig historische Perspektiven in aktuelle Fragen der Stadtentwicklung einbringen.
Aufzeichnung der Veranstaltung
Die vollständige Aufzeichnung des BürgerDialogs ist auf dem YouTube-Kanal des Opladener Geschichtsvereins verfügbar:
Wer die Diskussion nachverfolgen oder einzelne Beiträge noch einmal ansehen möchte, kann dort den gesamten Abend abrufen.
