Volle Villa Römer bei zweiter Leverkusener Geschichtsmatinee. OGV, BGV und VHS blicken auf demokratischen Neubeginn nach NS-Diktatur.

Rund 70 Geschichtsinteressierte haben am Sonntag (11. Januar) die zweite Leverkusener Geschichtsmatinee in der Villa Römer besucht. Mit Expertinnen und Experten für die regionale und lokale Parteiengeschichte rückte der Opladener Geschichtsverein von 1979 e.V. Leverkusen den demokratischen Neubeginn in Leverkusen und Opladen nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in den Fokus.

Rund 70 Geschichtsinteressierte haben am Sonntag den 11. Januar 2026 die zweite Leverkusener Geschichtsmatinee in der Villa Römer besucht. Mit Expertinnen und Experten für die regionale und lokale Parteiengeschichte rückte der Opladener Geschichtsverein von 1979 e.V. Leverkusen den demokratischen Neubeginn in Leverkusen und Opladen nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in den Fokus. Schließlich wurde vor 80 Jahren im damaligen Hotel zur Post in Opladen die FDP gegründet. Die Matinee, die der OGV mit dem Bergischen Geschichtsverein und der VHS Leverkusen ausrichtete, widmete sich aber generell der Neuformation der demokratischen Kräfte nach dem Ende der NS-Diktatur. Besonders im Fokus standen dabei neben der FDP die Neugründung der CDU und das Wiedererstarken der SPD.

In Vertretung des Oberbürgermeisters begrüßte der Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks II, Martin Krampf, die Gäste und würdigte das die Initiative der Veranstalter. Der OGV-Vorsitzende Michael D. Gutbier sagte, die Matinee zeige exemplarisch, was „lokale Geschichtsarbeit leisten kann: Sie verbindet, öffnet Räume für Austausch und macht Stadtgeschichte lebendig.“

„Demokratisierung unter Kontrolle“
Der stellv. OGV-Vorsitzende Prof. Dr. Jürgen Mittag zeigte, was die Parteienlandschaft in Opladen und Leverkusen vor 1933 charakterisiert hatte und inwieweit die demokratischen Kräfte in der Nachkriegszeit daran anknüpften. Dr. Ines Soldwisch (RWTH Aachen) ging in ihrem Impulsvortrag „Demokratisierung unter Kontrolle – Die Besatzungspolitik im Rheinland“ auf die Rolle der britischen Militärregierung und deren Einfluss auf die politische Neuordnung ein. Gutbier sprach über die Arbeit des Stadtrats-Ausschusses in Opladen als ersten Schritt hin zur Wiederherstellung lokaler Selbstverwaltung.

Starke Anbindung nach Köln bei CDU-Gründung in Leverkusen
Im Anschluss ging es um die Entwicklung der einzelnen Parteien. So beleuchtete Reinhold Braun (BGV) die Rückkehr der SPD nach Verbot und Unterdrückung während der NS-Zeit, während Prof. Dr. Ewald Grothe (Universität Wuppertal) die Entwicklung die liberalen Strömungen nach dem Krieg als eine Findungsphase mit vielen Pfaden skizzierte, aus der die FDP als maßgebliche Formation herausging. Mit Friedrich Middelhauve war ein Wahl-Opladener entscheidend für die Gründung der FDP, der allerdings auch Verbindung zum neonazistischen Naumann-Kreis hielt, wie Grothe aufzeigte. Matthias Itzwerth betonte in seinem Vortrag zur CDU die enge Anbindung an die Kölner Christdemokraten während der Gründungsphase sowie die herausragende Rolle Konrad Adenauers.

Die musikalische Begleitung durch Remigius Brass und der anschließende gesellige Ausklang bei Glühwein, Stollen, Kaffee und Kuchen luden zu vertiefenden Gesprächen und einem weiteren Austausch ein.

Die Geschichtsmatinee bildete den Auftakt des Jahresprogramms des OGV unter dem Motto „Freiheit – Stadt – Gesellschaft“.