Abschied von zwei europäischen Brückenbauern

Der Opladener Geschichtsverein trauert um zwei langjährige Freunde und Wegbegleiter: die Bruno-Wiefel-Preisträger F. W. „Freddie" Jones aus Bracknell und Jürgen Thiemer aus Schwedt/Oder. Beide haben über Jahrzehnte Städtepartnerschaften mit Leben erfüllt, Menschen über Grenzen hinweg zusammengebracht und die europäische Arbeit des OGV nachhaltig geprägt. Was bleibt, sind Dankbarkeit, viele persönliche Erinnerungen – und die Brücken, die sie zwischen Menschen gebaut haben.

Der OGV trauert um zwei große europäische Brückenbauer

In Erinnerung an F. W. „Freddie" Jones und Jürgen Thiemer

Mit großer Trauer nimmt der Opladener Geschichtsverein von 1979 e.V. Leverkusen Abschied von zwei langjährigen Freunden und Wegbegleitern seiner europäischen Arbeit: F. W. „Freddie" Jones aus Bracknell und Jürgen Thiemer aus Schwedt/Oder.

Beide waren Träger des Bruno-Wiefel-Preises des OGV und haben über Jahrzehnte auf ihre jeweils ganz eigene Weise das verkörpert, wofür diese Auszeichnung steht: gelebte Städtepartnerschaft, persönliche Begegnung, bürgerschaftliches Engagement und die Überzeugung, dass Verständigung und Frieden in Europa vor allem dort wachsen, wo Menschen einander begegnen und aus Begegnungen Freundschaften entstehen.

F. W. „Freddie" Jones – deutsch-britische Freundschaft als Herzensangelegenheit

F. W. „Freddie" Jones wurde 2005 gemeinsam mit Günter Drosihn aus Leverkusen mit dem Bruno-Wiefel-Preis ausgezeichnet. Über viele Jahre gehörte er zu den Persönlichkeiten, die die Städtepartnerschaft zwischen Bracknell und Leverkusen mit besonderem persönlichen Engagement prägten.

Vier Jahre lang war Freddie Jones stellvertretender Vorsitzender und anschließend stellvertretender Präsident der Bracknell Twinning Association. In diesen Funktionen setzte er sich insbesondere für die persönlichen Begegnungen zwischen Menschen aus beiden Städten ein. Dazu gehörte für ihn ganz selbstverständlich auch, dafür zu sorgen, dass Besuchergruppen aus Leverkusen – darunter Gruppen des Opladener Geschichtsvereins – bei Familien in Bracknell untergebracht wurden. Aus offiziellen Städtepartnerschaften sollten persönliche Kontakte und möglichst dauerhafte Freundschaften entstehen.

Dieses Engagement hatte für Freddie Jones auch einen sehr persönlichen Hintergrund. Seine Mutter war Deutsche, sein Vater Brite. Die deutsch-britische Freundschaft war ihm deshalb zeitlebens eine Herzensangelegenheit. Zugleich dachte und handelte er weit über die Verbindung zwischen Deutschland und Großbritannien hinaus. Freddie Jones war von Herzen Europäer.

Wie sehr ihm die Vernetzung der europäischen Partnerstädte am Herzen lag, zeigte sich eindrucksvoll im Jahr 1998. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft zwischen Bracknell und Leverkusen hatte der Opladener Geschichtsverein im Auftrag der Stadt Leverkusen das Jubiläumsprogramm organisiert. Im Rahmen einer großen Bürgerreise aus Bracknell nach Leverkusen führte eine gemeinsame Fahrt die britischen und deutschen Gäste auch in die Leverkusener Partnerstadt Schwedt/Oder.

Unvergessen und geradezu legendär wurde dabei der sogenannte „Long Walk from Poland": Mehr als 100 Britinnen und Briten sowie Deutsche überquerten gemeinsam die Oder, gingen zu Fuß nach Polen und anschließend wieder zurück. Diese ungewöhnliche gemeinsame Unternehmung ist bis heute Teil der Erinnerung an die Geschichte der Städtepartnerschaften.

Sie brachte zugleich etwas zum Ausdruck, das Freddie Jones besonders wichtig war: Städtepartnerschaften sollten keine voneinander getrennten Verbindungen zwischen jeweils zwei Städten bleiben. Menschen aus unterschiedlichen Ländern sollten einander begegnen, gemeinsam Europa kennenlernen und neue Freundschaften über bestehende Partnerschaften hinaus knüpfen.

Jürgen Thiemer – Heimatverbundenheit und europäische Offenheit

Mit Jürgen Thiemer verliert der OGV einen ebenso langjährigen Freund und einen der prägenden Partner seiner europäischen Geschichtsarbeit.

Als Vorsitzender des Schwedter Heimatvereins engagierte er sich über viele Jahre für die Erforschung und Vermittlung der Geschichte seiner Heimatstadt und zugleich für die Zusammenarbeit zwischen Schwedt/Oder und Leverkusen. Aus der engen Verbindung zwischen dem Schwedter Heimatverein und dem OGV entstanden zahlreiche Begegnungen, gemeinsame Projekte, Reisen, Ausstellungen und Publikationen.

Auch Jürgen Thiemer verstand Städtepartnerschaft niemals als eine ausschließlich bilaterale Angelegenheit. Ihm ging es darum, Menschen aus unterschiedlichen europäischen Städten zusammenzuführen und bestehende Kontakte miteinander zu vernetzen.

So besuchte auch er andere Partnerstädte Leverkusens. Im Rahmen einer Studienreise des Opladener Geschichtsvereins führte ihn sein Weg unter anderem nach Bracknell. Besonders intensiv entwickelte sich darüber hinaus die Verbindung nach Villeneuve d'Ascq. Jürgen Thiemer gehörte damit zu jenen Persönlichkeiten, die dazu beitrugen, aus einzelnen Städtepartnerschaften ein immer dichteres Netzwerk persönlicher und institutioneller Beziehungen entstehen zu lassen.

Für sein außergewöhnliches Engagement für die Städtepartnerschaften und die europäische Zusammenarbeit wurde Jürgen Thiemer 2021 mit dem Bruno-Wiefel-Preis ausgezeichnet.

Von den Städtepartnerschaften zum europäischen Netzwerk StadtRäume

Gerade an den Lebenswegen von Freddie Jones und Jürgen Thiemer lässt sich ablesen, wie sich die europäische Arbeit des OGV über Jahrzehnte entwickelt hat.

Während Freddie aus Bracknell heraus die Verbindung nach Leverkusen und darüber hinaus nach Schwedt mitgestaltete, besuchte Jürgen seinerseits Bracknell und pflegte zugleich die Kontakte nach Leverkusen und Villeneuve d'Ascq. Beide öffneten damit die jeweilige Städtepartnerschaft für andere europäische Partner.

Was zunächst mit Begegnungen zwischen einzelnen Partnerstädten begann, entwickelte sich über die Jahre immer stärker zu einem europäischen Netzwerk.

Dass sich Freddie Jones und Jürgen Thiemer schließlich auch im Rahmen des europäischen Städtenetzwerkes StadtRäume engagierten, war deshalb nur folgerichtig. Beide gehörten zu den Menschen, die lange zuvor bereits praktisch gelebt hatten, was StadtRäume heute als Netzwerkgedanken weiterführt: Menschen und Institutionen aus europäischen Städten zusammenzubringen, gemeinsam Geschichte zu betrachten und über Stadtentwicklung, Demokratie, Erinnerungskultur und die Zukunft Europas ins Gespräch zu kommen.

Ihr Engagement war dabei niemals nur auf die Vergangenheit gerichtet. Beide waren davon überzeugt, dass aus der Beschäftigung mit Geschichte Verantwortung für Gegenwart und Zukunft erwächst.

Zwei Freunde – und eine besondere Herzlichkeit

Bei aller Bedeutung ihrer Funktionen, Projekte und Verdienste bleibt für uns aber vor allem die Erinnerung an die Menschen Freddie Jones und Jürgen Thiemer.

Wer mit ihnen zusammenarbeiten und Zeit verbringen durfte, wird sich an ihre ganz besondere Herzlichkeit erinnern. Die Stunden mit Freddie ebenso wie die vielen Stunden mit Jürgen bleiben in besonderer Erinnerung. Begegnungen mit ihnen waren niemals nur Arbeit an Projekten oder Städtepartnerschaften. Sie waren geprägt von Offenheit, Humor, gegenseitigem Interesse, Gastfreundschaft und persönlicher Freundschaft.

Gerade diese Herzlichkeit verband beide.

Sie machten erfahrbar, was europäische Zusammenarbeit im besten Sinne bedeutet: Nicht Institutionen begegnen einander, sondern Menschen. Menschen besuchen sich, öffnen ihre Häuser, teilen Erinnerungen und Erfahrungen, diskutieren miteinander, reisen und feiern gemeinsam – und werden über Grenzen hinweg zu Freunden.

Darin liegt vielleicht das wichtigste Vermächtnis von Freddie Jones und Jürgen Thiemer.

Für beide war Europa keine abstrakte Idee. Europa entstand für sie durch Begegnung, Gastfreundschaft, gemeinsames Erleben und persönliche Freundschaft.

Der Bruno-Wiefel-Preis würdigt Menschen, die sich in besonderer Weise um Städtepartnerschaften und die europäische Verständigung verdient gemacht haben. Der OGV versteht ihn deshalb zugleich als einen Friedenspreis. Freddie Jones und Jürgen Thiemer haben diesen Gedanken durch ihr jahrzehntelanges persönliches Engagement in besonderer Weise mit Leben erfüllt.

Viele gemeinsame Reisen, Gespräche, Projekte und Begegnungen bleiben mit ihren Namen verbunden. Noch wichtiger aber sind die Freundschaften und menschlichen Verbindungen, die sie geschaffen haben und die weit über ihren Tod hinaus Bestand haben werden.

Der Opladener Geschichtsverein von 1979 e.V. Leverkusen wird F. W. „Freddie" Jones und Jürgen Thiemer ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren.

Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten ihren Familien und Angehörigen sowie unseren Freundinnen und Freunden in Bracknell und Schwedt/Oder.

Wir sind dankbar für die vielen gemeinsamen Jahre, für unzählige Begegnungen und Gespräche, für ihre Herzlichkeit und ihre Freundschaft – und für ihren unermüdlichen Einsatz für die Verständigung zwischen den Menschen in Europa.

Freddie und Jürgen haben Brücken zwischen Menschen gebaut. Diese Brücken bleiben.



For our european friends a translation into English:
 

OGV Mourns Two Great European Bridge-Builders

In Memory of F. W. "Freddie" Jones and Jürgen Thiemer

It is with great sadness that the Opladen History Association (Opladener Geschichtsverein von 1979 e.V. Leverkusen – OGV) bids farewell to two long-standing friends and companions in its European work: F. W. "Freddie" Jones from Bracknell and Jürgen Thiemer from Schwedt/Oder.

Both were recipients of the OGV's Bruno Wiefel Award and, over many decades, each in his own way embodied everything this award stands for: active town twinning, personal encounters, civic commitment, and the conviction that mutual understanding and peace in Europe grow above all when people meet one another and those encounters develop into friendships.

F. W. "Freddie" Jones – British-German Friendship as a Matter of the Heart

F. W. "Freddie" Jones received the Bruno Wiefel Award in 2005 together with Günter Drosihn from Leverkusen. For many years, he was one of those individuals whose extraordinary personal commitment helped shape the town twinning between Bracknell and Leverkusen.

For four years, Freddie Jones served as Deputy Chairman and subsequently as Deputy President of the Bracknell Twinning Association. In these roles, he was particularly committed to fostering personal encounters between people from the two towns. For him, this naturally included helping to ensure that groups visiting from Leverkusen – including groups from the OGV – could stay with families in Bracknell. Official town twinning should lead to personal contacts and, wherever possible, lasting friendships.

For Freddie Jones, this commitment also had a deeply personal background. His mother was German and his father British. British-German friendship was therefore a matter very close to his heart throughout his life. At the same time, his outlook and commitment extended far beyond relations between Britain and Germany. Freddie Jones was a European at heart.

His commitment to connecting Leverkusen's European twin towns was demonstrated particularly impressively in 1998. To mark the 25th anniversary of the town twinning between Bracknell and Leverkusen, the OGV organised the anniversary programme on behalf of the City of Leverkusen. As part of a major citizens' visit from Bracknell to Leverkusen, British and German participants also travelled together to Leverkusen's twin town of Schwedt/Oder.

One particularly memorable and almost legendary event was the so-called "Long Walk from Poland": more than 100 British and German participants crossed the River Oder together, walked into Poland and then returned. This remarkable shared experience remains part of the collective memory and history of the town twinning partnerships to this day.

It also expressed something that was especially important to Freddie Jones: town twinning partnerships should not remain isolated relationships between pairs of towns. People from different countries should meet, experience Europe together and build new friendships extending beyond the existing partnerships.

Jürgen Thiemer – Deep Local Roots and European Openness

With the passing of Jürgen Thiemer, the OGV has lost another long-standing friend and one of the key partners in its European historical work.

As Chairman of the Schwedt Local History Association, he devoted many years to researching and communicating the history of his home town, while at the same time promoting cooperation between Schwedt/Oder and Leverkusen. The close relationship between the Schwedt Local History Association and the OGV resulted in numerous encounters, joint projects, journeys, exhibitions and publications.

Jürgen Thiemer, too, never regarded town twinning as something exclusively bilateral. He wanted to bring people from different European towns together and connect existing relationships with one another.

He therefore also visited other twin towns of Leverkusen. As part of an OGV study trip, his travels took him to Bracknell, among other places. Particularly close links also developed with Villeneuve d'Ascq. Jürgen Thiemer was thus one of those individuals who helped transform individual town twinning partnerships into an increasingly close network of personal and institutional relationships.

In recognition of his outstanding commitment to town twinning and European cooperation, Jürgen Thiemer received the Bruno Wiefel Award in 2021.

From Town Twinning to the European UrbanSpaces Network

The lives and work of Freddie Jones and Jürgen Thiemer also illustrate how the OGV's European activities have developed over the decades.

While Freddie, from Bracknell, helped shape the relationship with Leverkusen and, beyond that, with Schwedt, Jürgen in turn visited Bracknell while maintaining close links with Leverkusen and Villeneuve d'Ascq. In this way, both helped open up their respective town twinning partnerships to other European partners.

What began with encounters between individual twin towns increasingly developed over the years into a European network.

It was therefore only natural that Freddie Jones and Jürgen Thiemer ultimately also became involved in the European town network UrbanSpaces (StadtRäume). Both had long since been putting into practice what UrbanSpaces continues today as a European network: bringing together people and institutions from European towns, exploring history together and engaging in dialogue about urban development, democracy, remembrance culture and the future of Europe.

Their commitment was never focused solely on the past. Both were convinced that engaging with history also brings with it a responsibility for the present and the future.

Two Friends – United by a Special Warmth

For all the importance of their roles, projects and achievements, what remains above all is our memory of Freddie Jones and Jürgen Thiemer as people and as friends.

Anyone who had the privilege of working with them and spending time with them will remember their exceptional warmth. The hours spent with Freddie, just like the many hours spent with Jürgen, remain very special memories. Encounters with them were never simply about working on projects or town twinning activities. They were characterised by openness, humour, genuine interest in others, hospitality and personal friendship.

It was this warmth, in particular, that they shared.

They demonstrated what European cooperation means at its very best: it is not institutions that meet one another, but people. People visit each other, open their homes, share memories and experiences, discuss, travel and celebrate together – and become friends across national borders.

This is perhaps the most important legacy left to us by Freddie Jones and Jürgen Thiemer.

For both of them, Europe was never an abstract idea. For them, Europe was created through encounters, hospitality, shared experiences and personal friendship.

The Bruno Wiefel Award honours individuals who have made an exceptional contribution to town twinning and European understanding. The OGV therefore also regards it as a peace award. Through their decades of personal commitment, Freddie Jones and Jürgen Thiemer brought this idea to life in a very special way.

Many shared journeys, conversations, projects and encounters will forever remain associated with their names. Even more important, however, are the friendships and human connections they created – connections that will endure far beyond their passing.

The Opladen History Association of 1979 (OGV) will preserve an honourable and grateful memory of F. W. "Freddie" Jones and Jürgen Thiemer.

Our thoughts and deepest sympathy are with their families and loved ones, as well as with our friends in Bracknell and Schwedt/Oder.

We are grateful for the many years we shared, for countless encounters and conversations, for their warmth and friendship – and for their tireless commitment to understanding between the people of Europe.

Freddie and Jürgen built bridges between people. Those bridges will remain.