„Der ersehnte Fürst ist da!“ – Ein Klang zwischen Schloss und Dom, zwischen Leben und Erinnerung

Zwei außergewöhnliche Konzerte führten das Publikum im Schloss Morsbroich und im Altenberger Dom auf eine musikalische Reise durch das 16. Jahrhundert. Drei internationale Ensembles ließen Geschichte lebendig werden – eindringlich, bewegend und von großer klanglicher Tiefe.

(Für das Video auf das Bild klicken!)

Es war ein Konzertwochenende, das weit über den Moment hinauswirkte. Mit dem Programm „Der ersehnte Fürst ist da!“ wurde Geschichte nicht nur erzählt, sondern hörbar gemacht – getragen von drei Ensembles, die sich eigens für dieses Projekt zusammengefunden haben: Ad Mosam, Rubens Rosa und MVSICHE VARIE.

Bereits im Vorfeld hatten die Musikerinnen und Musiker in den Niederlanden intensiv zusammengearbeitet, das Programm gemeinsam erarbeitet und auch eingespielt. Diese besondere künstlerische Begegnung war in jedem Moment der Aufführungen spürbar: ein feines Zusammenspiel, eine große gegenseitige Aufmerksamkeit und eine spürbare Hingabe an die Musik und ihre historische Aussagekraft.

Der Auftakt im Schloss Morsbroich am Freitagabend entfaltete eine besondere Nähe. In der konzentrierten Atmosphäre des barocken Raumes wurde die Musik fast kammermusikalisch erfahrbar. Die Stimmen und historischen Instrumente erzählten von Herkunft, Bildung und Aufbruch – von den frühen Lebensstationen des Erbprinzen Karl Friedrich von Jülich-Kleve-Berg. Die Musik wirkte hier wie ein Gespräch über Jahrhunderte hinweg: differenziert, lebendig und zugleich von großer innerer Ruhe.

Am Samstag im Altenberger Dom weitete sich diese Erfahrung. Der Raum verlieh den Klängen eine neue Dimension – größer, tragender, fast entrückt. Die Musik gewann an spiritueller Tiefe und wurde zu einem eindrucksvollen Gedenken. Der Ort selbst, eng verbunden mit der Geschichte der Herzöge von Jülich-Berg , ließ Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise ineinanderfließen.

Das Programm folgte den Lebensstationen Karl Friedrichs – von seiner Jugend im Rheinland über Wien bis nach Rom . Diese Reise spiegelte sich in einer beeindruckenden musikalischen Vielfalt: von franko-flämischer Polyphonie über italienische Tänze bis hin zu geistlicher Musik und Madrigalen. Immer wieder entstanden dabei Momente, in denen die Musik weit über sich hinauswies – hin zu Fragen von Leben, Bildung, Vergänglichkeit und Erinnerung.

Besonders eindrucksvoll war die klangliche Verbindung der drei Ensembles: Vokale Präzision, historische Instrumente und stilistische Vielfalt verschmolzen zu einem Gesamtbild, das gleichermaßen kraftvoll wie fein nuanciert war. So entstand ein musikalischer Raum, in dem Geschichte nicht distanziert blieb, sondern unmittelbar erfahrbar wurde.

Ein weiterer besonderer Aspekt dieses Projekts: Die Musik wurde bereits im Vorfeld auf CD eingespielt. Diese Aufnahme macht das Konzerterlebnis über den Moment hinaus zugänglich – ein bleibendes Dokument eines außergewöhnlichen künstlerischen Zusammenwirkens. Wer Interesse hat, kann die CD im Nachgang erwerben und die musikalische Reise erneut – und vielleicht noch einmal ganz anders – erleben.

So bleibt die Erinnerung an zwei Konzerte, die mehr waren als Aufführungen: Sie waren ein intensives Eintauchen in eine vergangene Welt, deren Klänge bis in unsere Gegenwart hineinreichen.

Oder, vielleicht am treffendsten: Für einen Moment war er da – der „ersehnte Fürst“. Nicht als Figur der Geschichte, sondern als lebendige Idee im Klang.