Stadtgeschichte im Aufbruch: Wissenschaftlicher Beirat setzt Impulse für die Zukunft

Wie kann Geschichte heute wirken – in der Stadtgesellschaft, in Europa und bei jungen Menschen? Der Wissenschaftliche Beirat des Opladener Geschichtsvereins hat im Schloss Morsbroich zentrale Weichen gestellt – für neue Formate, stärkere Vernetzung und eine sichtbare Rolle von Geschichte im öffentlichen Raum. Zugleich wurde das Jahresprogramm 2027 beschlossen.

Gemeinsam für eine lebendige Stadtgeschichte

Im Jagdzimmer von Schloss Morsbroich kam am 24. April 2026 der Wissenschaftliche Beirat des Opladener Geschichtsvereins (OGV) zusammen – so vielfältig wie selten zuvor. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Schulen, Kulturinstitutionen, Verwaltung und Zivilgesellschaft brachten ihre Perspektiven ein.

Diese breite Aufstellung ist Ausdruck eines klaren Ziels: Stadtgeschichte soll vernetzt, sichtbar und gesellschaftlich wirksam werden.

Zwischen Tradition und Zukunft: Neue Wege der Geschichtsarbeit

Im Mittelpunkt der Sitzung stand die Frage, wie sich Geschichtsarbeit unter veränderten Bedingungen weiterentwickeln kann.

Deutlich wurde:

  • Klassische Öffentlichkeitsarbeit verliert an Reichweite
  • Neue Zielgruppen – insbesondere junge Menschen – müssen gezielter angesprochen werden
  • Kooperationen und Netzwerke gewinnen weiter an Bedeutung

Der OGV reagiert darauf mit konkreten Ansätzen:

  • Präsenz im öffentlichen Raum, etwa durch die neue GeschichtsGalerie in der Rathaus-Galerie
  • Digitale und europäische Projekte, die lokale Geschichte in größere Zusammenhänge stellen
  • Neue Vermittlungsformate, die Geschichte erlebbar machen

Europa als Chance: Stadtgeschichte im internationalen Dialog

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der europäischen Zusammenarbeit.

Mit dem Projekt StaR-UrbS 2.0 wächst ein Netzwerk von Städten, das gemeinsame Fragen stellt:
Wie entstehen Städte? Wie verändert sich Gesellschaft? Und was können wir voneinander lernen?

Ein Höhepunkt wird der internationale Workshop vom 10. bis 14. September 2026 in Leverkusen sein – mit Gästen aus mehreren europäischen Partnerstädten und einem starken Fokus auf Jugendbeteiligung.

Geschichte vor Ort erleben: Wege, Räume, Perspektiven

Auch in Leverkusen selbst wird Geschichte weiter sichtbar gemacht.

Die Leverkusener Geschichtswege werden kontinuierlich ausgebaut und um neue Themen ergänzt – von Industriekultur über jüdisches Leben bis hin zur Sportgeschichte.

Ziel ist es, Geschichte dort erfahrbar zu machen, wo sie stattgefunden hat: im Stadtraum, im Alltag, mitten im Leben.

Jahresprogramm 2027 beschlossen: Gesellschaft im Mittelpunkt

Ein wichtiger Beschluss der Sitzung war die einstimmige Verabschiedung des Jahresprogramms 2027.

Inhaltlich steht das Jahr unter dem Schwerpunkt „Gesellschaft“ – als Weiterführung des aktuellen Jahresthemas „Freiheit – Stadt – Gesellschaft“.

Geplant sind unter anderem:

  • Ausstellungen und Vortragsreihen zur Stadt- und Gesellschaftsgeschichte
  • Bürgerdialoge, die historische Perspektiven mit aktuellen Fragen verknüpfen
  • Studienfahrten und internationale Workshops im europäischen Kontext
  • Publikationsprojekte zur regionalen und europäischen Stadtentwicklung

Zudem werden wichtige Bezugspunkte aufgegriffen, darunter:

  • 125 Jahre Altstadtfunken
  • 15 Jahre Kooperationsvertrag zwischen OGV und JGV
  • 20 Jahre Zusammenarbeit beider Vereine

Ein besonderer Fokus liegt darauf, das Sommerhalbjahr gezielt für das Ausprobieren und die Einführung neuer Formate zu nutzen. Damit soll Raum geschaffen werden, innovative Ansätze zu testen, neue Zielgruppen anzusprechen und erfolgreiche Formate langfristig im Programm zu verankern.

Mit diesem Programm unterstreicht der OGV seinen Anspruch, Geschichte als aktiven Bestandteil gesellschaftlicher Debatten zu positionieren.

Herausforderungen offen benannt

Die Diskussion zeigte auch:
Geschichtsarbeit steht vor echten Herausforderungen.

  • Ehrenamtliche Strukturen stoßen an Grenzen
  • Schulen haben oft wenig Spielraum für zusätzliche Kooperationen
  • Öffentliche Aufmerksamkeit muss neu erarbeitet werden

Gerade deshalb setzt der OGV bewusst auf Kooperation, kreative Formate und eine klare strategische Ausrichtung.

Blick nach vorn: Geschichte als Teil der Stadtgesellschaft

Mit Blick auf kommende Projekte – insbesondere das Stadtjubiläum 2030 – wird deutlich:
Geschichte ist mehr als Rückblick.

Sie ist ein Schlüssel, um Gegenwart zu verstehen und Zukunft zu gestalten.

Der Wissenschaftliche Beirat hat dafür wichtige Impulse gesetzt –
und mit dem Beschluss des Jahresprogramms 2027 zugleich den Rahmen für die nächsten Schritte geschaffen.