Partner in Oulu (Finnland)

Oulun Suomi-Saksa Yhdistys ry

Der OGV freut sich in Zukunft auch mit Partnern in Leverkusens nördlichster Partnerstadt Oulu (seit 1969 Städtepartnerschaft) kooperieren zu können. Neben der Universität Oulu ist dies der Partnerschaftsverein Oulun Suomi-Saksa Yhdistys ry. Beide arbeiten an zwei Geschichtsprojekten unter Federführung des Opladener Geschichtsverein OGV Leverkusen e.V. mit: „SEiZiE: "Stadtentwicklung in der 'Zwischenkriegszeit' in Europa (1918-1939)" (2020-2023) und als Folgeprojekt „Neue Städte entstehen – Stadtentwicklung / Stadt(neu)gründungen in Europa im 20. Jahrhundert“ (2022-2025):

Seit seiner Gründung im Jahre 1958 nimmt der Finnland-Deutschland Verein Oulu als aktiver Gestallter am Kulturleben der Stadt und Region Oulu teil. Die Städtepartnerschaften mit Leverkusen und Halle im folgenden Jahrzehnt hatten sicher viele Geburtshelfer. Ein kleines Federchen an unserem Hut wird uns aber vielleicht zugestanden.

Die uns selbst gestellt Aufgaben haben sich seit der Gründung nicht wesentlich verändert. Mit unsern Veranstaltungen versuchen wir zu einem besseren Verständnis zwischen Menschen des finnischen und deutschen Kulturkreises beizutragen. Als aktive Kraft beteiligen wir uns an Gestaltung und Ausbau der Beziehungen zu unseren deutschen Partnerstädten Leverkusen und Halle, sowie der Partnerregion von Nord-Österbotten Baden-Württemberg.

Wir vermitteln Informationen zu deutscher Kultur und gemeinsamer finnisch-deutschen Geschichte an daran Interessierte (Schulen, Vereine, Organisationen des öffentlichen Lebens, etc.). Im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen wir vor Ort Austauschprojekte für Schülern, Auszubildenden und Praktikanten und fördern das Lehren und Erlernen der deutschen Sprache

Unser kulturelles Programm ist für alle zugänglich und kostenfrei. Die Palette der Veranstaltungen enthält Dichterlesungen, Musikveranstaltungen, Kabarett, sowie historische Vorträge und Ausstellungen zum finnisch-deutsche Verhältnis möglichst in Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen und Institutionen.

Ohne eine Vernetzung und gut funktionierende Zusammenarbeit mit örtlichen und überörtlichen Organisationen, städtischen und universitären Abteilungen, unserem Verband der Finnisch-Deutschen Vereine (Suomi-Saksa Yhdistysten Liitto / SSYL) und dem Goethe-Institut könnte dies nicht durchgeführt werden. So organisieren wir 3-4 Mal jährlich deutschsprachige evangelisch-lutherische Gottesdienste in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gemeinde in Finnland und den Kirchengemeinden von Oulu. Der Schüleraustausch käme ohne die Zusammenarbeit zwischen dem SSYL und der Deutsch-Finnische Gesellschaft (DFG) nicht zustande und bei Kulturveranstaltungen können wir auf die Zusammenarbeit mit der städtischen Bücherei zählen.     

Abgerundet wird das Programm durch vielsprachiges gemeinschaftliches Zusammensein in Form von (Sommer-/Winter-) Festen und den (fast) monatlichen (FIN-DACHLi*) „Stammtischen“, zu dem wir uns hoffentlich nach Corona-Pause noch vor Mittsommer wieder mal treffen werden.

Nicht vergessen werden darf die freundschaftliche, ja bärige, Verbindung zur DFG-Leverkusen, die beim Katalysieren der verschiedensten Kontakte und Erfahrungsaustausche eine wesentliche Rolle gespielt haben. Die Verbindung zum Opladener Geschichtsverein kam letztlich auch über diese Schiene zustande.

Schade, dass wir uns nicht schon an den vorherigen Projekten beteiligen konnten. Die Ereignisse gerade während dieses Zeitraums waren und sind für Finnland sehr prägend (Genese der Nation, Erringung der Unabhängigkeit, Bürgerkrieg, ...). Die Erinnerung daran ist allerdings in Mitteleuropa kaum mehr präsent, vielleicht noch rund um Lokstedt bei Hamburg, wo an das aktive militärische Eingreifen des deutschen Kaiserreichs ein Denkmal und Grabstätten gemahnen. Die Arbeit zu den Projekten hätte sich nahtlos in den Kanon der Veranstaltungen zur Feier Erringung der Unabhängigkeit Finnlands vor 100 Jahren eingefügt. (Erwin Fischer)

*) DACHLi Deutschland-Austria (Österreich)-Confoederatio Helvetica (Schweiz)-Luxemburg/Liechtenstein

Das Historische Seminar der Universität Oulu

Das Historische Seminar der Universität Oulu begrüßte die Anfang 2020 empfangene Einladung des Opladener Geschichtsvereins von 1979 e. V. Leverkusen, sich an dem internationalen Projekt zur Geschichte der europäischen Städte in der Zwischenkriegszeit zu beteiligen. Zu den Forschungsschwerpunkten des Historischen Seminars in Oulu gehören die Geschichte des Nordens, die Geschichte der kulturellen Verflechtungen und Begegnungen sowie die Medizin- und Umweltgeschichte. Die Stadtgeschichte steht daher (noch) nicht im Zentrum des Forschungsprofils der Abteilung. Diese Tatsache stellt jedoch kein Problem dar, denn wir sind offen für neue Herausforderungen und freuen uns auf die Entwicklung neuer innovativer Forschungsprojekte mit internationalen Partnern. Methodisch gesehen können wir eine Expertise in aktuellen Forschungsfeldern wie Gender Studies, Erinnerungskulturen oder transnationalen Ansätzen anbieten, da diese Felder zu unserem wissenschaftlichen Instrumentarium gehören. Wir können dem Projekt auch ein Team zur Verfügung stellen, dessen Mitglieder erfahren und vertraut sind mit internationalen Kooperationen.

Es gibt eine lange Tradition beim Historischen Seminar der Universität Oulu, die Geschichte von Oulu selbst zu untersuchen, aber während des letzten Jahrzehnts verloren diese Forschungen als ein Thema von allgemeinem Interesse an Bedeutung. Die letzte gemeinsame Anstrengung diesbezüglich war der Sammelband mit dem Titel Oulun vuosisadat 1605-2005 (Jahrhunderte Oulus 1605-2005), der 2005 zur Feier der 400-jährigen Geschichte der Stadt veröffentlicht wurde. Wir freuen uns, sagen zu können, dass uns die Teilnahme am europäischen Projekt „SEiZiE – Stadtentwicklung in der Zwischenkriegszeit in Europa“ aus unserer Sicht einen Neuanfang in der Erforschung der Stadtgeschichte von Oulu ermöglicht. Das Projekt inspiriert uns bereits jetzt dazu, neue Kurse zu planen und Themen für Qualifizierungs- und Masterarbeiten zu ermitteln. Dies wird es ermöglichen, auch jüngere Studentengenerationen für die Geschichte von Oulu und methodisch für die vergleichende und transnationale Geschichtswissenschaft auf europäischer Ebene zu begeistern. Damit stärkt es uns auch in unseren Bemühungen, unsere Studenten zu aufrichtigen europäischen Bürgern zu erziehen.

Frühere Forschungen haben die grundlegende historische Entwicklung von Oulu dokumentiert. Daher kennen wir zum Beispiel folgende Fakten über die Zwischenkriegszeit. Im 19. Jahrhundert beruhte der Wohlstand der Stadt Oulu auf dem internationalen Handel mit Teer und den damit verbundenen Aktivitäten und Industrien, zum Beispiel dem Schiffbau. Die wirtschaftliche und politische Macht lag in den Händen einer Gruppe einflussreicher Familien, den lokalen „Buddenbrooks“. Nach dem Ersten Weltkrieg ging der Wohlstand zu Ende, und die Stadt – oder eigentlich eher Kleinstadt mit ihren rund 22.000 Einwohnern im Jahr 1916 – erlebte eine Zeit der wirtschaftlichen Rezession. Es dauerte über ein ganzes Jahrzehnt, bis sie sich wieder erholte. Ab 1937 setzte ein neues Wachstum ein, das sich auf die holzverarbeitende Industrie stützte. Die rasante Entwicklung zog Neuankömmlinge nach Oulu an, und die Bevölkerung wuchs innerhalb weniger Jahre um 10.000 Einwohner. Im Vergleich dazu betrug der Zuwachs im gesamten Zeitraum von 1916 bis 1929 nur 2.300 Personen.

Trotz der Rezession in den 1920er Jahren wurde die Infrastruktur verbessert und die Stadt wirkte zunehmend städtisch, mit Steinhäusern, Elektrizität, Wasser und Kanalisation. Diese Urbanisierung setzte sich in den 1930er Jahren fort, und darüber hinaus verbesserten sich die Verkehrsverbindungen Oulus zu anderen Teilen des Landes und stärkten Oulus Position als Zentrum Nordfinnlands. Die Eisenbahn verband Oulu ab den 1880er Jahren mit Südfinnland. Der Busfernverkehr begann in den 1920er Jahren, und ab 1936 gab es regelmäßige Flugverbindungen. Neben der wirtschaftlichen Entwicklung gewann Oulu auch als Zentrum für viele kulturelle Aktivitäten an Bedeutung. Unter anderem hat es eine lange Tradition als Schulstadt und als Bistum der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnland.

Vor dem Hintergrund dieser bisherigen Forschung sehen wir, dass das europäische Projekt innovative Erkenntnisse über die Stadtgeschichte in anderen Teilen Europas verspricht und uns helfen kann, neue Einsichten über die Geschichte von Oulu aus vergleichender und transnationaler Perspektive zu entwickeln. Internationalismus ist eigentlich das entscheidende Merkmal der Geschichte von Oulu durch die Jahrhunderte hindurch. In Vergangenheit und Gegenwart wuchs und wächst der Wohlstand der Stadt durch globale Verbindungen, die zuerst mit Teerhandel und Schiffbau einhergingen, und später durch die IT-Industrie und zuletzt durch die Niederlassung des finnischen Unternehmens Nokia verstärkt worden sind. 1999 erschien ein Buch, das sich mit dieser internationalen Geschichte befasste, unter dem Titel Oulupolis: Oulun kansainvälisyyden historia. Ebenso freuen wir uns darauf, unseren Kooperationspartnern interessantes Erkenntnisse und Bezugspunkte aus unserer nordischen Perspektive zu vermitteln.

Die Liste der Themen, die aus der Perspektive von Oulu im europäischen Rahmen relevant sind, verbindet die lokale und die europäische Ebene. Wir fragen zum Beispiel, wie verschiedene industrielle, politische und kulturelle Ideen und Einflüsse aus verschiedenen europäischen Regionen nach Oulu kamen und wie sie umgesetzt und implementiert wurden. Um ein Beispiel zu nennen: Wie überall in Europa, so stellte auch in Oulu der Links- und Rechtsradikalismus in den 1930er Jahren zunehmend demokratische Institutionen und Ordnungen in Frage. Darüber hinaus sind die neuen Erfahrungen mit der urbanen Kultur und die ihr zugeschriebene Bedeutung mit ihrer europäischen Dimension faszinierende Aspekte dieses Zeitraums, die bisher im Kontext von Oulu noch nicht erforscht worden sind. Ebenso spannend sind Fragen nach der städtischen Sozialgeschichte und nach der Erinnerungskultur der Zwischenkriegszeit, da in dieser Zeit Neuankömmlinge mit meist agrarischem Hintergrund auf die städtische Umwelt mit ihrer spezifischen, auf die Teerindustrie bezogenen Geschichte und ihre sozialen Hierarchien trafen.

Das Historische Seminar in Oulu verfügt über einen kleinen, festen Mitarbeiterstab, bestehend aus zwei Professoren und neun Dozenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern, sowie über mehrere Wissenschaftler in extern finanzierten Projekten. Der Vorteil der geringen Anzahl liegt darin, dass wir dank kurzer Wege flexibel sind, um schnell eine internationale oder lokale Zusammenarbeit mit Partnern in Geschichtsvereinen, Bibliotheken, Museen oder Schulen aufzubauen. Mit diesen lokalen Institutionen bestehen bereits sehr gute Arbeitsbeziehungen. Darüber hinaus stellt uns die Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität weitere Expertise zur Verfügung, zum Beispiel in der Wissenschafts- und Ideengeschichte, der Filmwissenschaft und der Archäologie mit ihren aktuellen Forschungen zur modernen Stadtarchäologie.

Wir haben ein Rumpf-Team zusammengestellt, das für die organisatorische Zusammenarbeit mit den europäischen Projektpartnern zuständig sein wird. Dem Team gehören die folgenden Forscherinnen und Forscher mit ihren jeweiligen Forschungsschwerpunkten an: Tiina Kinnunen Ph. D., Professorin für finnische und nordeuropäische Geschichte, ist Expertin für Frauen- und Geschlechtergeschichte sowie für die Geschichte der Erinnerungskulturen – ihr besonderes Interesse ist dabei jeweils die europäische Perspektive. Sie arbeitet seit 2014 in Oulu. Die Dozenten für finnische Geschichte, Matti Enbuske Ph. D. und Matti Salo Ph. D., sind beide in Oulu ansässig und haben aus verschiedenen Blickwinkeln über lokale und regionale Geschichte geforscht. (Tiina Kinnunen; Übersetzung: Philipp Schaefer)